Nach ihrem Schauspieldiplom bei der „Paritätischen Prüfungskommission der Bühnengewerkschaft Wien“ studierte sie Musikalisches Unterhaltungstheater an der MuK (Musik und Kunst Privatuniversität) der Stadt Wien (Bachelor of Arts) sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Master, Universität Wien). Zusätzlich absolvierte sie ein Fotografie- und Video-Diplom.
Ihre Eltern sind Solisten an der Oper von Sofia - Ihre Mutter als Sängerin und Ihr Vater als Balletttänzer. Was halten sie von der Ansicht, dass Begabungen – in Ihrem Fall im musikalischen Bereich vererbt werden können? In Österreich betont man gerne, dass ein Beruf über Generationen weitergegeben wird z.B Apotheker oder Schauspieler in dritter/vierter Generation.
- Ich finde es sehr wichtig seine Wurzeln zu kennen und das Bewusstsein dafür zu haben, was man als Talente mitbekommen bzw. geerbt hat - ich weiß genau, dass ich die Stimme und die tänzerische Gabe von meinen Eltern, aber auch von Gott, als Geschenk bekommen habe.
Jedoch muss ich sagen, dass meine Eltern nichts an sich mit meiner Karriere zu tun haben, da ich mir meinen Weg ganz allein im Musical/Schauspiel erarbeitet habe (mit vielen Castings und ohne Kontakte). Denn in der Musicalbranche kennt niemand meine Eltern, die von der Oper in Bulgarien und vom Ballett in Deutschland sind. Ich habe viel von ihnen gelernt und habe dann durch 100% Arbeit mit Zielstrebigkeit das erreicht, was ich jetzt bin.
Ich bin stolz auf meine Eltern, dankbar sie zu haben und erwähne sie auch gern, aber nicht um meine Karriere damit zu erklären. Generell muss ich sagen, spielt meines Erachtens nach das vererbte Talent zwar eine große Rolle (und ich finde Musikalität ist absolut vererbbar, egal in welcher Generation), allerdings kann man in der Kunstbranche nicht einfach „den Laden des Vaters übernehmen“ so wie in anderen Berufen, sondern muss das Talent zwar erkennen und es auch benutzen wollen, aber dann erfolgt viel physische/psychische Arbeit um dies ganz persönlich anwenden und benutzen zu können.
Und das wird oft vergessen. Man kann zwar „die Tochter von“ sein, aber muss sich auf der Bühne ganz allein beweisen! Da kann keiner helfen. Aber ich bin stolz in die Fußstapfen getreten zu sein und die Kunst in der Familie fortführen zu können, wenn auch in einem
etwas anderen Genre!
Was gibt Ihnen die Bühne? Verleiht sie Ihnen Energie oder zehrt sie an Ihnen?
- Die Bühne gibt einem viel Energie, aber sie kann natürlich auch viel nehmen und Einiges von einem abverlangen! Die Prozentuale Aufteilung ist ganz individuell und vor allem je nach Stück/Show etc. unterschiedlich. Wie das bekannte Sprichwort sagt „Der Applaus ist des Künstlers Brot“, gibt einem das Publikum hinter dem Scheinwerferlicht oder positive wartende Fans am Bühneneingang, die Belohnung, gleichgültig wie schwer die (proben-)Reise dorthin beispielsweise war. Aber auch eine tolle Rolle, wo man das Spiel oder die Lieder liebt, kann einem schon so viel Genuss live im Moment geben, dass man danach wieder mit neu aufgeladenen Batterien ins Bett fällt, um dann wieder früh aufzustehen mit weiteren Texten im Kopf.
Aber sicher gibt es Zeiten in denen man sehr müde ist, da der Beruf der DarstellerInnen sowohl körperlich als auch mental sehr anstrengend sein kann. Aber jede/r Künstler/In weiß, dass man in der Branche am richtigen Platz ist, wenn der Beruf das Hobby ist. Und oftmals ist das Finanzielle, was man in der Kunstbranche im Vergleich als eher niedriger ansieht, nicht das Wichtige, sondern das, einfach von der Kunst leben zu können - Luxus brauche ich persönlich nicht.
Sie drücken sich auf vielen verschieden Arten aus, in Tätigkeiten die oft miteinander verknüpft sind wie z.B. Model, Schauspielerin, Sängerin und Fotografin. Wie schützen Sie sich vor dem Burnout? Wie bewahren Sie sich vor der Zerstreuung der Kräfte? Wird das Schauspielerische Element bei der Arbeit eines Fotomodells unterschätzt?
- Ja, ich arbeite als Musicaldarstellerin, Opernsängerin, Schauspielerin, Model, Photographin, Dramaturgin, Voice-Over Artist und Vocal-Coach. Alles Bereiche in der Kunst, jedoch meistens nicht miteinander zu vergleichen und auch Sparten, für die man auch die bestimmte Ausbildung dafür braucht. Ich finde nicht, dass der Fakt, dass man flexibel und vielseitig in der Kunstbranche ist, bedeutet, dass man seine Kräfte zerstreut und/oder verschwendet/vergeudet - ganz im Gegenteil! Man bekommt dadurch viel mehr zurück, indem man eine Balance zwischen vielen Gattungen als KünstlerIn hat und einem dadurch nie langweilig werden kann.
Wenn man die Möglichkeiten hat, sollte man diese auch nutzen. Man kommt dann immer wieder mit neuem Input zurück und neu geladen, um das neu Erlernte oder Mitgebrachte in das Andere einzufügen und wird dadurch immer vielschichtiger und besser, beispielsweise in seinen Rollen! Und dadurch wird man auch deutlich mehr engagiert, weil man in vielen Bereichen besetzbar ist. Ein Burnout kann man meiner Meinung nach nur bekommen, wenn man im Leben etwas arbeitet, was man nicht wirklich liebt oder derzeit nicht damit zufrieden ist - denn dann kann eine „negative“.
Überarbeitung zu einem solchen Zustand sicherlich führen. Eine zufriedenstellende Überarbeitung bringt vielleicht Müdigkeit oder ein schwächeres Immunsystem mit sich, aber mehr nicht! Aber definitiv - man muss auf sich aufpassen und sich auch private Zeit und Ruhe gönnen, auch wenn es nur 1 Tag pro Woche oder sogar seltener sein sollte. Und was jeder braucht um runterzukommen, muss man sich einfach bewusst machen und dies auch praktizieren. Ich brauche beispielsweise Familie/Beziehung, Wasser in der Natur (Meer/See/Fluss), Krimibücher und Reisen.

© Jan Frankl
Ich finde, dass ein Model definitiv Schauspiel mitbringen muss, um ein Foto lebendig zu gestalten, indem es nicht nur das Outfit über eine Rolle stülpt, sondern auch Blicke mit unterschiedlichen Emotionen füllen kann. Ansonsten wird es zwar immer eine Schönheit, aber auch eine gewisse Leere tragen. Aber oftmals hab ich nicht das Gefühl, dass es grad bei reinen Fotoshootings darum geht. Dann noch eher bei Werbung oder gar Werbeclips,
wo wirklich Schauspiel gefragt ist.
Belastet Sie die Popularität? Gibt Sie ihnen ein Gefühl des Erfolges? Wird man vergessen, wenn man nicht ständig auftritt oder sich präsentiert?
- Mein Bekanntheitsgrad belastet mich nicht, denn es gibt selbstverständlich weit aus größere Berühmtheiten/Stars. Und ich mache diesen Beruf auch nicht um bekannt zu sein, sowas kann einfach nebenbei „passieren“. Ich bin einfach dankbar für das, was ich bisher erreicht habe und dass dies international so gefällt bzw. anerkannt und sogar belohnt wird.
Damit hat man definitiv das Gefühl Erfolg zu haben, obwohl ich als Steinbock immer nach Höherem und Perfektionistischem strebe. Aber natürlich muss man in Zeiten von Social Media immer präsent sein und auch dauerhaft im Job sein, damit man aktuell bleibt, trotz der großen Konkurrenz. Jedoch finde ich nicht, dass man in Vergessenheit geraten kann, wenn man zumindest einmal 1 Rolle in seinem Leben prägnant gespielt hat und damit einen Eindruck hinterlassen hat. Es zählt die Qualität und nicht die Quantität.
Bitte erzählen Sie uns etwas mehr über Ihr Leben in Deutschland und Ihren Durchbruch auf der Bühne. Warum haben Sie sich für Österreich entschieden? Was gibt Ihnen Wien im Vergleich zu Berlin, auch wenn Sie internationale Auftritte haben. Ist Wien noch immer ein wichtiges Zentrum der Musik und der Ausbildung?
- Ich bin mit 1,7 Jahren aus Bulgarien mit meinen Eltern nach Norddeutschland gezogen, weil mein Vater einen Solisten Balletttänzer Vertrag am Landestheater Schleswig-Holstein bekam. Ich wuchs in der dänischen Minderheit auf, das heißt drei-sprachig (bulgarisch, dänisch und deutsch). (In Bulgarien bin ich nur geboren und habe nie dort gelebt; d.h. weder einen Kindergarten, noch eine Schule dort besucht, hab jedoch durch meine Familie
gelernt auf kyrillisch sowohl zu lesen als auch zu schreiben und spreche akzentfrei Bulgarisch.)
Ich habe schon in frühen Jahren Konzerte gesungen und an Theatern Shows gespielt in Deutschland und Dänemark (ebenfalls auch vor der Dänischen Königin Margrete und dem Kronprinzen Paar), habe täglich Tanztraining gehabt und auch selbst Hip-Hop und Ballett unterrichtet. Ich wurde dort schon zu einer kleinen Berühmtheit mit ständiger Präsenz in der Zeitung, vor allem nachdem ich auch mit 15 Jahren in NYC als Solistin auf Tournee war. Ich habe ebenfalls als Ambassader im Grenzland gewirkt.
Mit 19 bin ich dann alleine nach Wien gezogen um „Theater-, Film- und Medienwissenschaft“ zu studieren, denn dort gab es damals die einzige Möglichkeit dazu (Master) und danach „Schauspiel“ (Diplom) und zuletzt „Musikalisches Unterhaltungstheater“ an der MUK (Bachelor of Arts).
Ich habe in Wien direkt begonnen mit Agenturen zu arbeiten für die TV/ Medien-Branche und auch schon in erste professionelle Stücke gespielt. Wien hat mir damals so viele Chancen ermöglicht mich kreativ zu verwirklichen, da diese Stadt alles anbot und auch noch immer ein Zentrum und eine Metropole in der Kunstbranche ist, so vielfältig wie ich selbst sein wollte (und ich finde sich mehr als andere Großstädte). Ich kam als no-Name an und habe mir mit viel Fleiß ganz allein Schritt für Schritt alles erarbeitet und aufgebaut.
Ich liebe Wien über alles und wollte mir sogar damals ein erstes Tattoo damit stechen lassen - Wien ist meine Wahlheimat und der Ort, an dem alles begann und seinen Lauf nahm. Von dort kam ich als professionelle Schauspielerin und Musicaldarstellerin auf internationale Bühnen in Ländern wie: Österreich, Deutschland, Schweiz, Dänemark, Schweden und Bulgarien. Ich habe mich auf Castings beworben und mit über 1000enden Kolleginnen um Rollen gekämpft und diese schließlich gewonnen und bisher immer von einem zum nächsten Engagement gereist. Durch Rollen in Produktionsfirmen wie Stage Entertainment und Vereinigte Bühnen Wien, ging meine Karriere immer weiter nach oben.

© Peter Reichel
Kann man sagen, dass das Musical Ihre Leidenschaft ist. Sie wurden auch mit einem der wichtigsten Preise für die Sparte „Musical" im deutschen Sprachraum ausgezeichnet dem „Deutschen Musical Theater Preis 2024". Erzählen Sie uns mehr davon. Machen Ihnen Auszeichnungen Freude?
- Ja, das Musical ist meine Wahl und die Richtung, die ich eingenommen habe, indem ich mich zwar von den Elterlichen Kreisen wie Oper und Ballett distanzieren wollte, aber trotzdem nie aufhören wollte zu singen und zu tanzen und mit dem selbst gewählten Beruf Schauspiel, darin alles miteinander kombinieren konnte. Im Musical mit 3 Genres fühl ich mich zu 100% komplett und vollständig.
Ich habe damit anscheinend auch nicht nur mich selbst überzeugt, sondern beispielsweise auch die Jury der Deutschen Musical Akademie, die mir 2024 den „Deutschen Musical Theater Preis“ für beste Darstellerin in einer Hauptrolle verliehen hat (dieser Preis gilt für alle deutschsprachigen Länder und alle uraufgeführten Musicals in dem Jahr - es ist vergleichbar mit den Tony Awards).
Ich wurde auch nominiert 2025 für den „Österreichischen Musiktheater Preis“ für beste weibliche Hauptrolle und hatte auch andere Nominierungen/Preise in meiner Laufbahn bisher (z.B. Gold/Silber/Bronze Medaillen bei den „World Championships of Performing Arts LA-Virtual 2020“). Ich empfinde die Preise natürlich als tolle Geschenke und bin stolz drauf, aber am meisten ist für mich die Anerkennung von Profis in dieser Branche wichtig und relevant, denn das bedeutet, dass ich meine Sache gut mache!
Betonen Sie, dass Sie Bulgarin sind? Wie sieht man Bulgarien in der Welt der Musik?
- Natürlich sage ich absolut immer, dass ich Bulgarin bin und stolz drauf bin. Auf mein Land, mein Volk und unsere Kultur/Traditionen. Ich habe jedoch dieses Jahr 2025 das erste Mal in Bulgarien und auf Bulgarisch gespielt - mein Debut, an der Staatsoper Sofia, die 1. Besetzung Cosette in dem berühmten Musical „Les Miserables“ (von dem Produzenten Sir Cameron Mackintosh persönlich durch ein Casting „approved“).
Ich habe es geliebt „zuhause“ zu spielen. Ich hatte seit Dezember 2024 viele Interviews in Bulgarien im TV, Radios, Zeitungen und Zeitschriften und habe mir dort auch schon einen guten Namen gemacht. Man muss auch dazu sagen, dass ich wahrscheinlich noch immer die einzige Bulgarin bin, mit einem staatlichen 4-Jahres Bachelor of Arts Studium für Musical - denn in Bulgarien werden zwar Musicals gespielt, jedoch von keinen professionell ausgebildeten MusicaldarstellerInnen, da es in Bulgarien für Musical keine Ausbildung gibt (ich wurde dafür vom Konservatorium in Sofia schon vor Jahren angefragt, ob ich eine Abteilung leiten will).
Und habe dieses Jahr eine 1-Wöchige Musical Masterclass in „Shiroka Laka“ an der 20. Sommer Musik Akademie dort gegeben. Also ins Gesamt ist Bulgarien zwar für ihre tollen talentierten Sänger bekannt, aber leider nicht für Musicals.
Woran arbeiten Sie im Moment?
- Derzeit bin in fest angestellt als Solistin am Landestheater in Linz. Ich spiele die Prinzessin Fiona in dem Musical „SHREK“, ich probe für die Rolle Diane in dem Musical „Come from away“ (Premiere 15.11.25) und ich probe für die Rolle Franziska Cagliari in der Operette „Wiener Blut“, mein Debut (27.10.2025). Also bin ich tätig in 2 Genres. Und gleichzeitig arbeite ich als Dramaturgie-Assistenz für die Uraufführung des Musicals „Mitte der Welt“
(2026). Das heißt, ich bin auch backstage tätig. Dazu habe ich noch einige Konzerte als Solistin mit dem Bruckner Orchester Linz. Und das alles zusätzlich zu meinerpädagogischen Tätigkeit als Gesangslehrerin.
Wollen Sie auf dem Broadway spielen? Nach welchen Kriterien suche Sie die Musicals aus in denen Sie spielen?
- Natürlich wäre es ein Traum am Broadway oder WestEnd zu spielen, aber da ist es derzeit schwierig bzgl. Visum - wer weiß, was die Zukunft bringt. Ich würde gern dort mal eine Audition machen und schauen, wohin das führt.

© Peter Reichel
Ich suche mir sozusagen die Musicals nicht aus, in denen ich letztendlich spiele, sondern vor allem die Auditions, die ich machen möchte. Ich bin in einer der bekanntesten Musical-Agenturen und mein Agent meldet mich an und dann mache ich wie alle anderen KollegInnen Castings und bin glücklich, wenn ich die Rolle bekomme. Aber ich gehe nur noch zu Auditions, wo ich denke, dass ich zur Rolle passe oder ich das Stück/die Musik wirklich toll finde. Mit der Zeit bewirbt man sich nicht überall. Aber ob man genommen wird bei der großen Konkurrenz, hängt von vielen Faktoren ab. Bisher war ich nie arbeitslos und bin sehr dankbar dafür.
Sie unterrichten auch in Wien und in Linz. Was lehren Sie Ihre Studentinnen und Studenten? Was ist das Wichtigste für die Schauspielerei heute? Was zeichnet Ihre Generation von Schauspielerinnen und Schauspielern aus?
- Ja, ich bin seit 2017 tätig als Gesangspädagogin, und habe 2023 auch einen CVT Kurs in Kopenhagen (DK) gemacht. Ich habe jedoch auch Theaterpädagogik gelernt und mache damit auch einiges an Schauspiel mit meinen Studenten, wenn es darum geht, ihre Songs zu interpretieren. Ich unterrichte international mit Studenten aus Deutschland, Schweden, Bulgarien und Österreich. Online und live. Und mache auch Workshops in Sprechen und Masterclasses in Musical. Ich mache in meinen Unterrichten mit ihnen reine Gesangstechnik in allen Genres (klassisch und modern), Sprechtechnik, Körperarbeit, Repertoirearbeit, Auditionvorbereitung und Vorbereitung/Proben für Shows und Konzerte.
Ich finde das Wichtigste heutzutage für DarstellerInnen ist es authentisch zu spielen/zu singen und flexibel zu sein, in alle Genres arbeiten zu können. Und das ist auch das, was unsere Generation DarstellerInnen so von früher unterscheidet. Man ist sehr vielseitig aufgestellt durch die Medien und den online Zugang und damit die Möglichkeit vieles online zu erlernen. Man reist viel mehr und bildet sich weiter oder spielt auch
internationaler als zu früheren Zeiten. Die Kunst an sich hat sich entwickelt und fordert viel mehr - aber das ist auch gut so.
Das Interview wurde geführt von Svetlana Zheleva und Dessislaw Pajakoff
